Gesundheit,  Wasser

Chemikalien im Trinkwasser

sewage from the sewer pollutes a lake

Wasserversorger und Wissenschaftler schlagen Alarm. Im deutschen Trinkwasser befinden sich tausende chemische Stoffe, die schon in geringen Mengen gesundheitsgefährdend sind. Momentan sind die Wasserwerke nicht in der Lage, diese Stoffe aus dem Trinkwasser herauszufiltern

Tausende Chemikalien im Trinkwasser

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen, Katherina Reiche, warnt vor einer Überforderung der deutschen Kläranlagen. Die Wasserbetriebe wären nicht mehr in der Lage  sogenannte Mikro-Verunreinigungen herauszufiltern. Zudem würde die Politik das Problem ignorieren und die Verantwortung auf die Wasserversorger abwälzen.

Um welche Stoffe handelt es sich?

Laut Umweltbundesamt würden private Haushalte jährlich rund 630.000 Tonnen Chemikalien aus Wasch und Reinigungsmitteln mit dem Abwasser entsorgen. Hinzu kommen rund 10.500 Tonnen aus Körperpflegemitteln und Kosmetikprodukten. Die Chefin des Verbandes der Kommunalen Unternehmen wies darauf hin, dass es dringend nötig wäre die Verbraucher endlich über die Problematik aufzuklären. „Nicht jedem Verbraucher ist bewusst, dass das, was er sich auf die Haut tut, dann auch irgendwann im Grundwasser landet“, so Reiche. Noch weitaus beunruhigender ist die Tatsache, dass jährlich rund 8.100 Tonnen Arzneimittelreste ins Grundwasser gelangen. Darüber hinaus sind viele dieser Medikamente, wie zum Beispiel radioaktive Röntgenkontrastmittel, von der Pharmaindustrie absichtlich so gestaltet worden, dass sie sich im Körper nicht sofort zersetzen. Reiche konstatiert, dass jene Stoffe dann auch dementsprechend lange in unserem Ökosystem verblieben. Schon heute hätten wir ein weltweites Diclofenac Problem.

Dieses Antirheumatikum erfreut sich in der Human- und Tiermedizin sehr großer Beliebtheit. Durch den Ausscheidungsprozess gelangt das Medikament in Grund- und Abwasser und somit in das gesamte Ökosystem. Georg Wulf, Vorstand des Wupperverbandes in Nordrhein-Westfalen macht auf ein weiteres Problem aufmerksam, das vielen bisher unbekannt ist: dem Reifenabrieb von Autos im Straßenverkehr. Die dadurch entstehenden Mikro-Partikel seien für den Wasserschutz inzwischen „ein ziemlich großes Thema“. Nicht zu vergessen sind auch die jährlich rund 118.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel, die in den Wasserkreislauf gelangen. Welt.de hat folgende interessante Infografik diesbezüglich veröffentlicht:

Chemikalien im Wasser

Wasserwerke verfügen nicht über ausreichende finanzielle Mittel

Der Verband Kommunaler Unternehmen schätzt, dass eine Nachrüstung der Wasserwerke um eine sogenannte „Vierte Reinigungsstufe“ in die Milliarden gehen würde. Die Mittel dafür seien nicht vorhanden. Zudem würden sich auch damit, nicht alle Chemikalien im Trinkwasser beseitigen lassen, so der Vorstand des Wupperverbandes Nordrhein-Westfalen.

Welche Lösungsvorschläge gibt es?

wasserqualitätEin großes Problem, welches in Verbindung mit den Chemikalien im Trinkwasser steht, stellt die Entsorgungspraxis der Medikamente dar. Seit Kurzem sind deutsche Apotheken nicht mehr dazu verpflichtet, die abgelaufenen Medikamente der Kunden zurückzunehmen. Deshalb entsorgen 47 Prozent der Konsumenten ihre Arzneimittel über die Toilette. Die Verbraucher müssen sich dringend über die Folgen Ihres Handelns und die daraus resultierenden Auswirkungen auf Grund- und Trinkwasser bewusst werden. Zudem fordert der Vorstand des Wupperverbandes Nordrhein-Westfalen die Bundesregierung auf, das Gespräch mit der Pharmaindustrie zu suchen. Diesbezüglich schlägt Wulf eine bedarfsgerechte Reduzierung der Medikamentenmenge pro Packung vor. Dadurch ist der Konsument nicht mehr gezwungen überflüssige Arzneimittel zu entsorgen. Zudem solle die Agrarindustrie mehr Verantwortung übernehmen, allein schon wegen der von ihr verursachten Nitratbelastung des Grundwassers. Laut Wulf müsse man sich künftig auch Gedanken über die Reinigung des Niederschlagswassers machen, da dadurch Chemikalien zurück ins Trinkwasser kämen.

Wie erfolgsversprechend sind all diese Lösungsansätze?

Angesichts der Milliardensummen, die eine Aufrüstung der Wasserbetriebe verschlingen würde, ist nicht davon auszugehen, dass dieses Vorhaben bald in die Tat umgesetzt wird. Zudem wäre die sogenannte „Vierte Reinigungsstufe“ auch nicht in der Lage alle Chemikalien im Trinkwasser herauszufiltern. Darüber hinaus zeigt die Pharmaindustrie wenig Interesse, neue Wirkstoffe mit geringerer Halbwertszeit zu entwickeln oder die Medikamentenmenge pro Packung zu reduzieren. Hinzu kommt, dass die Politik immer auch nach Möglichkeiten sucht, den Interessen der Chemie-, Agrar- und Kosmetiklobby zu entsprechen. Somit ist Mittelfristig nicht von einer Reduzierung der Chemikalien im Trinkwasser auszugehen. Den Verbrauchern bleibt bisweilen nur die Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Hierbei ist die vielversprechendste Lösung, die Anschaffung einer Umkehrosmoseanlage für den Hausgebrauch, da nur sie in der Lage ist, Chemikalien im Trinkwasser zu 100 Prozent zu eliminieren.

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