Gesundheit,  Wasser

1,2,3, 4. Stufe – Kläranlagen müssen aufrüsten

Die Kläranlage Laichingen hat nun nicht eine, nicht zwei, nein auch nicht drei, sondern vier Reinigungsstufen. Damit reagiert sie auf die neuen EU-Richtlinien zur Erhaltung des Grundwassers. Medikamentenrückstände im Wasser sind mit drei Stufen nicht zu beseitigen.

Andere Kläranlagen, deren Einleitegenehmigung auslaufen – und die diese verlängern wollen – werden ebenfalls aufrüsten müssen.

Was verbirgt sich hinter Türchen Nummer 4?

Das Wasser, das im Becken des vierten Reinigungsprozesses ankommt, sieht bereits einwandfrei aus. Die groben Verschmutzungen wurden schon längst beseitigt, die „unsichtbaren“ Gefahrstoffe sind aber immer noch enthalten.

Die Rede ist von Medikamentenrückständen – Entzündungshemmer, Krebsmedikamente, Schmerzmittel, Antibiotika und die Hormone aus der Anti-Baby-Pille.

38 000 Tonnen Medikamente gehen in Deutschland pro Jahr über die Theken. Die, die wir wirklich einnehmen, setzen wir nicht zu 100% um, was bedeutet, dass wir die Wirkstoffe wieder ausscheiden und diese so ins Abwasser gelangen. Der Rest bleibt ungenutzt in unseren kleinen Hausapotheken-Schränkchen und läuft irgendwann ab. Die meisten von uns machen sich natürlich nicht auf den Weg zu einer Apotheke und lassen die Arznei dort fachgerecht entsorgen – wir spülen die Mittelchen ohne böse Absichten die Toilette herunter.

Hier beginnt der Kampf der Kläranlagen. Diese müssen die Medikamentenrückstände wieder aus dem Wasser filtern und das ist ein recht tückisches Unterfangen.Das bisher beste Mittel ist eine Reinigung mit poröser Pflanzen-Aktivkohle. Diese bindet Spurenelemente sehr zuverlässig.  Sie kann das zwei- bis dreifache ihres Eigengewichts an Wasser speichern und hat eine große Oberfläche, an die sich die Arzneimittelrückstände binden können. Eine Schlussfiltration per Tuchfilter sorgt dafür, dass die gebundenen Risikostoffe dann auch aufgefangen werden.

Medikamentenrückstände – Nicht nur menschliche Arznei ist problematisch

Auch Tierarzneimittel gelangen über Mist und Gülle, die auf den Äckern als Dünger eingesetzt werden, ins Grundwasser, so das Umweltbundesamt.

Forscher konnten bereits einen negativen Effekt der Medikamentenrückstände im Wasser nachweisen. So wird beispielsweise die Fortpflanzung von Fischen beeinträchtigt. Die Aalmutter (ein Nordseefisch) weist geschlechtliche Veränderungen auf. So bilden männliche Fische weibliche Geschlechtsmerkmale aus und umgekehrt.

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„Wir wissen ja gar nicht, wo in der Umwelt die Substanzen verbleiben. Wo werden sie gespeichert, wann ist dieser Speicher voll, wann werden sie wieder mobil? Unser Grundwasser darf nicht zur Senke für diese Stoffe verkommen“

„In Deutschland werden pro Jahr rund 38.000 Tonnen Humanpharmaka verbraucht und von den rund 3000 Arzneimittel-Inhaltsstoffen können nur etwa 180 Stoffe im Abwasser analysiert werden.“

-warnt Hubert Burbaum, der Geschäftsführer des Abwasserverbandes Obere Lutter, in einem Welt Artikel (http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article113827076/Der-gefaehrliche-Wirkstoff-Cocktail-im-Grundwasser.html)

Die Rede ist ja auch häufig von Multiresisten-Erregern, welche durch den unbedachten Großeinsatz von Antibiotika für Mensch und Tier zustande kommen. Ein Antibiotika Cocktail im Wasserkreislauf ist in Bezug auf diesen Punkt bestimmt auch nicht unbedenklich. Ebenfalls sehr bedenklich sind Krebsmedikamente, die schon in  Werten von weniger als 1/100 Mikrogramm pro Liter Wasser Einfluss auf das Erbgut nehmen können.

Das Umweltbundesamt sieht den Handlungsbedarf aber nicht nur bei den Kläranlagen

Der Ansatzpunkt zur Verminderung der Medikamentenrückstände im Trinkwasser ist die Aufklärung der Bürger über den verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten. Der Verbrauch müsse auch aus gesundheitlichen Gründen gesenkt werden, abgelaufene Medikamente erst gar nicht zu Stande kommen bzw. fachgerecht entsorgt werden.

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