Medikamente im Trinkwasser
Gesundheit,  Wasser

Hätten Sie Medikamente im Trinkwasser vermutet?

Dieser Artikel befasst sich mit der Frage, wie Medikamente entsorgt werden, ob diese in das Grundwasser gelangen und wie die Wasserwerke mit dieser Problematik umgehen.

Medikamente im Trinkwasser – alarmierende Studie des Bundesumweltamtes

Hunderte oder gar tausende Arzneimittelwirkstoffe befinden sich in unserem Wasserkreislauf. Diese Vermutung fußt auf einer Studie des Bundesumweltamtes aus dem Jahr 2011. Sie wies Rückstände von Röntgen-Kontraststoffen, Antibiotika, Antibabypillen, Schmerz-, und Diabetesmittel nach. Insgesamt wurden 55 unterschiedliche Wirkstoffe im Grundwasser nachgewiesen und immerhin 23 Arzneimittel-Rückstände im vermeintlich sauberen Trinkwasser. Die Anzahl der gefundenen Wirkstoffe in Flüssen und Seen soll laut Umweltbundesamt sogar im dreistelligen Bereich liegen.

Ist das nur die Spitze des Eisbergs?

Diese Vermutung äußerte Klaus Kümmerer, Professor für nachhaltige Chemie und stoffliche Ressourcen an der Leuphana Universität Lüneburg. Denn, gefunden werde nur wonach gesucht wird. „Wir haben in Deutschland zwischen 2500 und 3000 Wirkstoffe auf dem Markt. Wie viele im Wasser sind? Wahrscheinlich eine ähnliche Größenordnung“, so Kümmerer. Zwischen 2002 und 2012 ist der Arzneimittelkonsum hierzulande um mehr als 30 Prozent angestiegen. Somit verkauften deutsche Apotheken 2012 mehr als eine Milliarde Medikamentenpackungen. Und: „Immer wenn es neue Wirkstoffe gibt, wächst das Problem“, erklärt Kümmerer.

Medikamente im Trinkwasser – wie gelangen sie dorthin?

Die Mehrzahl der Medikamente wird vom menschlichen Körper nicht vollständig aufgenommen. So werden bei einigen Pillen, Kapseln, Gels und Tropfen nahezu 100 Prozent, der oftmals sehr stabilen chemischen Verbindungen, über den Stoffwechsel wieder ausgeschieden. Bei anderen Arzneimitteln sind dies 80, 50 oder 10 Prozent. Maria Parr, Professorin für Pharmazeutische Chemie an der FU Berlin wies darauf hin, dass es natürlich Substanzen gäbe, die nach der Ausscheidung auch weiterhin wirksam wären. Hinzu kommt, dass Apotheken seit 2009 nicht mehr gesetzlich verpflichtet sind, unbenutzte oder Abgelaufene Arzneimittel zurückzunehmen. Das führt dazu, dass die Bürger vermehrt unbrauchbare Medikamente die Toilette herunterspülen.

Können die Wasserwerke die Rückstände herausfiltern?

Herkömmliche Kläranlagen sind nicht in der Lage die Arzneimittel vollständig aus dem Abwasser zu filtern. Und somit gelangen die Substanzen ins Oberfächenwasser, Grundwasser und von dort auch wieder ins Trinkwasser. Grundsätzlich wäre es allerdings möglich, die Medikamentenrückstände aus dem Abwasser zu entfernen. Hierfür müssten die Wasser- und Klärwerke mit einer vierten Reinigungsstufe ausgerüstet werden. Diese würde das Wasser mittels Aktivkohle filtern. Allerdings wäre es laut dem Wissenschaftler Dr. Uwe Dünnbier, der die Medikamentenproblematik im Berliner Abwasser untersucht, nicht möglich alle Substanzen durch das Aktivkohleverfahren zu eliminieren. Eine weitere Möglichkeit zur Abwasserreinigung ist das Ozonverfahren. Medikamentenrückstände würden somit oxidiert und in andere Stoffe umgewandelt. Hierbei besteht das Problem, dass man nicht absehen könne, wie sich die Umwandlungsprodukte in der Umwelt verhielte. Nachteil beider Verfahren ist, dass sie extrem teuer sind, keine letztendliche Sicherheit bieten können und mangels gesetzlichen Zwangs auf absehbare Zeit nicht zum Einsatz kommen werden.

Welche Möglichkeiten bleiben dem Verbraucher?

Es ist nachvollziehbar, dass kein Bürger täglich die Wirkstoffe von Antibabypillen, Antibiotika, Schmerz-, Diabetes- und Kontrastmittel zu sich nehmen will. Viele haben schlichtweg Angst um ihre Gesundheit. Zudem können sich gefährliche Arzneimittelresistenzen bilden. Solange sich die Gesetzgebung nicht verändert, werden aufwändige Klärverfahren nicht eingeführt. Zudem können neue Klärsysteme auch keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Wenn man dennoch sichergehen möchte, keine unnötigen Medikamente mit dem Trinkwasser zu sich zu nehmen, dann sollte man über die Anschaffung einer Umkehrosmoseanlage nachdenken. Diese Systeme lassen sich sehr leicht zuhause installieren und bieten die Sicherheit wirklich alle Medikamentenrückstände aus Ihrem Trinkwasser zu filtern.

Teilen mit:

One Comment

  • Leo Hascho

    Ja das es Medikamente im Trinkwasser gibt, das wusste ich, ist ja auch klar bei dem ganzen Zeug was am sich heute schon online bei Apotheken besorgen kann (https://www.servusapotheke.at).

    Ich will gar nicht wissen wie viele Medikamente im Leitungswasser von Wien herumschwimmt. Ich frage mich wirklich wie gefährlich das ganze ist. Besonders für Kleinkinder ist das sicher nicht gut für die Gesundheit.
    Hoffentlich machen die Verantwortlichen bald etwas, denn wir trinken alle dasselbe Wasser. Wir haben dann alle dieselben Probleme. Das muss jedem klar sein. Wir müssen einen weg finden hier sorgsamer zu sein!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite nutzt Akismet, um Spam zu reduzieren.

de_DE_formalGerman
de_DE_formalGerman